Aufzucht und Behandlung

In unserer täglichen Arbeit mit Jungtieren, verletzten, vergifteten und entkräfteten Fledermäusen haben sich im Lauf der Jahre Schwerpunkte gebildet, die wir als besonders kritisch einstufen, und in denen wir uns mit besonderer Aufmerksamkeit weiterentwickelt haben. 

ENDOPARASITEN

Der Befall von Fledermäusen mit Endoparasiten (Darmparasiten) wird weitläufig unterschätzt. Die weit verbreitete Fachmeinung, Fledermäuse hätten eine hohe parasitäre Befallstoleranz, wird landläufig so interpretiert, als „kämen die Tiere schon klar“.  Eigene Erhebungen über mehrere Jahre zeigen jedoch, daß die Toleranz bestimmten Parasiten gegenüber generell robust ist, bei der Mehrzahl der Fundtiere diese Schwelle aber klar überschritten wurde.

Bei einer hohen Anzahl von Fundtieren der letzten Jahre sind Schwäche, Inappetenz, Flugunfähigkeit und sogar Unfälle auf endoparasitären Befall zurückzuführen. Wir unterziehen jedes Tier regelmäßigen Kotanalysen und behandeln spezifisch. 

Die Untersuchung von Fundtieren auf Endoparasitenbefall halten wir für zeitgemäß und unbedingt erforderlich. Wir bieten daher den Service einer kostenlosen parasitären Kotuntersuchung für Fundtiere deutschlandweit an. Ein Behandlungsvorschlag ist inbegriffen. 

BEHANDLUNG VON BRÜCHEN

Bruchverletzungen insbesondere des Flugapparats treten bei verunfallten Fledermäusen nicht selten auf. Die häufigste  – und heilbare –  Variante ist der Unterarmbruch. Während Brüche der Flügelknochen oft als Todesurteil gesehen werden, konnten wir uns in Austausch mit BatWorld USA  die dort entwickelte Methode des chirurgischen Klebens des Unterarmknochens erschließen und mit großem Erfolg anwenden. 

Die Behandlungen der letzten Jahre zeigen, daß korrekt geklebte Unterarmbrüche zur Wiedererlangung der Flugfähigkeit führen können. 

Einige Erkenntnisse seien hier kurz aufgeführt.

Verschiebung der Bruch-Enden. Die Zugkräfte des Bewegungsapparates schieben die Bruchenden axial 1-2 mm aneinander vorbei. Die Bruchenden liegen demnach nicht auf einer Linie, sondern nebeneinander. Diese Verschiebung kann in der Klebemethode nicht verhindert werden, da nicht die Knochen selbst, sondern nur die umhüllende Haut fixiert werden können. Die Callusbildung toleriert diese Verschiebung, und der Knochen wächst trotz der axialen Verwerfung zusammen. Die spätere Rückbildung von Callus und nicht physikalisch beanspruchtem Knochenmaterial führt letzten Endes wieder zu einem fast geraden Knochenverlauf im verheilten Zustand. 

Knochenverkürzung. Die oben beschriebene paralelle Verschiebung der Bruch – Enden hat eine Verkürzung des Unterarmknochens zur Folge. Die Fledermaus muß nach erfolgter Heilung also mit unterschiedlich langen Unterarmen und einem asymmetrischen Flugapparat zurechtkommen. Unsere Beobachtungen zeigen, daß die Tiere den Flug mit ungleichen Flügeln mit täglichem  Training in 2-3 Wochen wiedererlernen. Typischerweise werden Kurven in der ersten Trainingsphase stets mit dem verkürzten Flügel nach innen geflogen, da dies leichter fällt. Zu Ende des Trainings verschwindet diese Schonhaltung. 

Alter Bruch. Nicht ganz frische, geschlossene Brüche heilen mit der chirurgischen Klebemethode gut. Das Trauma der Bruchstelle läßt nach Ruhigstellung dennoch Callusbildung zu. Ältere offene Brüche, die nicht rasch behandelt werden konnten und mit denen die verletzte Fledermaus u.U. schon Stunden oder Tage herumkriecht, führen zu einem stärker verkürzten und deformierten Unterarmbild. Der Grund dafür ist die Dehnung und Ausweitung des knochenumhüllenden Gewebes an der Bruchstelle, hervorgerufen durch die unkontrollierte Bewegung. Da nur Haut und knochenumhüllendes Gewebe mit der Klebemethode fixiert werden können, diese aber beschädigt und ausgedehnt sind, kann der Knochen nur unzureichend in der korrekten Stellung gehalten werden. Die Heilung tritt ein, das Ergebnis ist häufig jedoch eine eingeschränkte Flugfähigkeit. 

Lage des Bruchs. Das beste Heilungsergebnis zeigen Brüche im mittigen Bereich des Unterarmknochens. Brüche, die näher als 1/3 der Unterarmlänge an einem der angrenzenden Gelenke liegen, sind nicht fixierbar und somit nicht heilbar. Diese Fälle müssen dringend erlöst werden. Für Brüche im oder direkt am Gelenk gilt dies ebenso. 

Oberarmbrüche konnten mit der chirurgischen Klebemethode nicht geheilt werden. Die Fixierung der verhältnismäßig kurzen Bruchenden unter den hohen Kräften des Bewegungsapparates ist über die Klebemethode nicht ausreichend. Nach unserem derzeitigen Wissensstand ist ein Oberarmbruch  – mit Ausnahme des Setzens eines Pins durch einen erfahrenen Fachtierarzt – weiterhin ein nicht abwendbares  Todesurteil für Fledermäuse.

 

 

 

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Wir, Wildtierhilfe Amerang e.V. (Vereinssitz: Deutschland), verarbeiten zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in unserer Datenschutzerklärung.
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